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Schallplatten digitalisieren lassen: was Dienstleister wirklich kosten
Ob sich Platten digitalisieren lassen rechnet, ist einfacher zu beantworten, als es aussieht – die Rechnung fällt fast immer an derselben Zahl: wie viele Platten es sind.
Schallplatten digitalisieren lassen: die Kosten und wonach abgerechnet wird
Der Abstand zwischen den Angeboten erklärt sich fast vollständig aus dem Leistungsumfang. Wer nur ein paar Platten digitalisieren lassen will, zahlt anders als jemand, der eine Sammlung abgibt.
Wer Schallplatten digitalisieren lassen möchte, wählt zwischen zwei Leistungsstufen. Die reine Überspielung liegt bei acht bis fünfzehn Euro je LP. Die Platte wird abgespielt, aufgenommen, als eine Datei je Seite geliefert. Nichts wird getrennt, nichts entrauscht, nichts benannt. Das ist keine Sparversion, sondern für viele die richtige: Wer die Rohaufnahme bekommt, kann später selbst entscheiden, was damit geschieht.
Die bearbeitete Fassung kostet zwanzig bis fünfunddreißig Euro. Darin enthalten sind üblicherweise eine Nassreinigung vor dem Abspielen, das Entknacksen, die Trennung in einzelne Titel und die Metadaten. Der größte Anteil davon ist Handarbeit, und genau deshalb kostet es ungefähr das Doppelte.
Die Abrechnungseinheit ist wichtiger als der Preis. Drei Modelle sind üblich, und sie führen bei derselben Sammlung zu deutlich verschiedenen Rechnungen: je Plattenseite, je angefangener Viertelstunde Spielzeit, oder pauschal je Album. Bei Doppelalben und bei Seiten über fünfundzwanzig Minuten trennt sich das schnell. Wer zehn Doppelalben hat, zahlt beim Seitenpreis das Doppelte dessen, was der Albumpreis gekostet hätte – bei identischer Leistung.
Dazu kommen Positionen, die in der Übersicht selten auftauchen: Aufpreise für 78er Schellackplatten, für Singles mit kurzer Spielzeit, für die Lieferung auf einem Datenträger statt per Download, und Mindestmengen. Eine einzelne Platte nimmt kaum jemand zum Stückpreis an.
Ab wann die eigene Kette billiger ist als der Dienstleister
Ob sich Schallplatten digitalisieren lassen rechnet, ist die einzige Frage, die sich vorher wirklich beantworten lässt, und sie braucht nur zwei Zahlen: den Preis je Platte und die Anschaffungskosten.
KOSTEN IN EURO · ÜBER DIE ZAHL DER PLATTEN
- Dienstleister, 10 € je LP
- eigene Technik, 200 €
- eigene Technik, 400 €
Eine brauchbare eigene Kette kostet gebraucht etwa zweihundert Euro: Plattenspieler mit intaktem Tonarm, ein ordentlicher Tonabnehmer, eine Phono-Vorstufe, ein Wandler. Mit neuen Geräten und etwas Anspruch sind es vierhundert. Bei zehn Euro je LP liegt der Umschlagpunkt damit bei zwanzig beziehungsweise vierzig Platten.
Was die Rechnung nicht zeigt, ist die Zeit. Eine LP dauert etwa vierzig Minuten Aufnahme, und mit Vorbereitung, Titeltrennung und Benennung landet man bei rund einer Stunde je Album. Bei vierzig Platten sind das vierzig Stunden. Wer diese Stunden nicht als Freizeitbeschäftigung versteht, sondern als Arbeit, kippt die Rechnung sofort wieder in Richtung Dienstleister.
Der ehrliche Rat lautet deshalb: unter fünfundzwanzig Platten den Dienstleister nehmen. Über vierzig die eigene Technik, weil sie sich rechnet und weil man sie danach behält. Dazwischen entscheidet, ob man das Aufnehmen selbst mag – und das ist eine Geschmacksfrage, keine Rechenaufgabe. Wie die eigene Kette aussieht, steht in der Anleitung zum Schallplatten digitalisieren.
Woran sich ein gutes Angebot vom schlechten trennt
Der Preisunterschied zwischen zwei Anbietern sagt wenig. Wer Schallplatten digitalisieren lassen will, entscheidet an diesen fünf Punkten, und keiner davon steht in der Überschrift des Angebots.
Erstens das Lieferformat. WAV oder FLAC in 24 Bit heißt: Sie bekommen ein Archiv. Nur MP3 heißt: Sie bekommen eine Hörfassung, aus der sich nie wieder etwas Besseres machen lässt. Wie groß dieser Unterschied klanglich wirklich ist, lässt sich im Hörvergleich der Datenraten nachhören – bei 128 kbit/s endet das Signal gemessen bei 16,5 kHz.
Zweitens die Reinigung. Ob vor dem Abspielen nass gereinigt wird, entscheidet über einen guten Teil des Ergebnisses, und es ist der Posten, an dem am leisesten gespart wird. Steht davon nichts im Angebot, wird auch nicht gereinigt.
Drittens, was „entknacksen" beim jeweiligen Anbieter bedeutet. Ein Durchlauf mit der Standardeinstellung einer Software ist etwas anderes als eine von Hand kontrollierte Bearbeitung, und beide heißen im Angebot gleich. Die Nachfrage lohnt sich, denn zu kräftig eingestellt kostet dieser Schritt hörbar Höhen: Im Hörvergleich zur Restauration bleiben bei behutsamer Bearbeitung 69 Prozent der Höhen erhalten, bei zu starker nur noch 45.
Viertens die Aussteuerung. Gute Anbieter nehmen mit Reserve nach oben auf und normalisieren erst danach. Wer pauschal auf Maximalpegel fährt, produziert bei lauten Pressungen Übersteuerungen, die nicht mehr zu reparieren sind.
Fünftens die Probe. Jeder Anbieter, der sein Handwerk beherrscht, nimmt eine einzelne Platte als Testauftrag an. Wer darauf nicht eingeht, bekommt die Sammlung nicht.
Der Teil, an den zuletzt gedacht wird: die Platten verlassen das Haus
Wer Platten digitalisieren lassen will, denkt an Preise und Formate. Dabei geht unter, dass hier physische Gegenstände verschickt werden, die es zum Teil nicht mehr zu kaufen gibt. Drei Punkte gehören deshalb vor die Beauftragung.
Die Versicherung. Der Standardversand deckt einen Warenwert ab, der bei einer Kiste mit dreißig LPs regelmäßig überschritten wird, und Sammlerstücke sind über den Zeitwert ohnehin nicht abgebildet. Wer eine wertvolle Sammlung verschickt, klärt vorher, wer im Schadensfall wofür haftet – der Versender oder der Dienstleister.
Die Verpackung. Platten werden stehend transportiert, nicht liegend, und mit einer Zwischenlage zwischen den Hüllen. Liegend gestapelt drückt das Eigengewicht die unteren Exemplare, und Wärme im Transportfahrzeug tut den Rest. Die meisten Anbieter beschreiben ihre gewünschte Verpackung; wer das nicht tut, hat wenig Erfahrung mit Schäden.
Die Dauer. Zwei bis sechs Wochen sind üblich, in der Zeit vor Weihnachten länger. Das ist selten ein Problem, muss aber bekannt sein, bevor die Kiste zugeklebt wird.
Vor Ort abgeben oder verschicken
Für kleine Aufträge und für Platten, die nicht ersetzbar sind, ist der Betrieb in erreichbarer Entfernung die ruhigere Wahl: keine Versandversicherung, kein Transportrisiko, und die Möglichkeit, eine Probe gemeinsam abzuhören, bevor der Rest beauftragt wird. Studios mit diesem Angebot sitzen fast immer in größeren Städten, häufig als Nebenzweig eines Tonstudios oder eines Fotoservice.
Versandanbieter sind dafür meist günstiger, weil sie in Serie arbeiten, und sie haben die Spezialausrüstung häufiger. Der Abstand liegt bei den üblichen Angeboten bei zwei bis vier Euro je Platte. Für dreißig Platten ohne Sammlerwert ist das die vernünftige Richtung; für fünf unersetzliche ist es der falsche Ort zu sparen.
Ein dritter Weg wird oft übersehen: Manche Betriebe vermieten die Technik stundenweise samt Einweisung. Wer eine mittelgroße Sammlung hat und die Anschaffung scheut, kommt damit auf einen Preis je Platte, den weder der Kauf noch der Auftrag erreicht – und behält die Kontrolle über jede einzelne Aufnahme.
Die Dateien sind da: die Abnahme, die kaum jemand macht
Der Auftrag gilt als erledigt, wenn der Download da ist – und genau dort werden die meisten Mängel nie bemerkt, weil niemand nachsieht. Vier Prüfungen dauern zusammen eine Viertelstunde und lassen sich auch ohne Fachkenntnis durchführen.
Die Dateigröße verrät, ob das Format stimmt. Das ist die nützlichste Prüfung überhaupt, weil sie rein rechnerisch ist. Eine Plattenseite von zwanzig Minuten braucht in WAV bei 16 Bit und 44,1 kHz rund 210 MB, in 24 Bit bei 96 kHz etwa 690 MB. Liegt eine als „24 Bit" gelieferte Datei bei dreißig Megabyte, ist sie keine: Dann wurde eine MP3 in einen WAV-Container gelegt oder aus einer MP3 zurückgerechnet, und die fehlenden Höhen kommen dabei nicht zurück. FLAC liegt bei etwa sechzig Prozent des WAV-Werts, also immer noch in derselben Größenordnung – eine Datei, die um den Faktor zehn kleiner ist, ist ein anderes Format.
Die lauteste Stelle hören. Nicht den Anfang, sondern die Passage, die auf der Platte am lautesten ist – bei Rock und Pop meist der erste Titel einer Seite. Wenn dort etwas kratzt oder verzerrt, was beim Abspielen der Platte nicht kratzt, wurde zu hoch ausgesteuert. Das ist der einzige Fehler in dieser Liste, der sich nicht mehr beheben lässt, ohne die Platte noch einmal aufzunehmen.
Die Übergänge prüfen. Bei getrennten Titeln liegt der Schnitt gern ein oder zwei Sekunden falsch: Der Anfang des nächsten Stücks hängt am Ende des vorigen, oder ein Ausklang ist abgeschnitten. Ein Durchlauf über die letzten fünf Sekunden jedes Titels reicht, um das zu sehen.
Die Vollzähligkeit. Klingt banal, ist der häufigste Reklamationsgrund: fehlende B-Seiten, verwechselte Alben bei ähnlichen Hüllen, ein Titel doppelt. Die Liste der abgegebenen Platten gegen die gelieferten Ordner halten, bevor die Platten wieder eingeräumt werden.
Was der Dienstleister technisch anders macht als der Küchentisch
Der Preisunterschied zur eigenen Kette erklärt sich nicht über bessere Software – die ist bei beiden dieselbe. Er erklärt sich über drei Dinge, die sich zu Hause schlecht nachbauen lassen.
Die Waschmaschine für Platten. Ein Gerät, das mit Absaugung arbeitet, holt aus der Rille, was eine Bürste nicht erreicht, und kostet mehrere hundert Euro. Für eine Sammlung lohnt es nicht, für einen Betrieb, der täglich Platten durchlaufen lässt, schon. Der Unterschied liegt genau in dem Bereich, den sonst der Entknackser aufräumen muss – und was gar nicht erst aufgenommen wird, muss auch nicht herausgerechnet werden.
Mehrere Tonabnehmer. Für Mono-Pressungen, für 78er, für stark abgenutzte Rillen sind verschiedene Nadelschliffe im Einsatz. Eine abgespielte Platte klingt mit einem anderen Schliff hörbar besser, weil die Nadel auf einer anderen Höhe in der Rillenwand läuft als die, die den Verschleiß verursacht hat.
Routine bei der Beurteilung. Wer hundert Platten im Monat überspielt, hört innerhalb einer halben Minute, ob eine Aufnahme brauchbar ist. Das ist kein Gerät und keine Software, und es ist der Teil, den man tatsächlich mitkauft.
Wann sich der Dienstleister unabhängig vom Preis lohnt
Es gibt zwei Fälle, in denen die Rechnung oben keine Rolle spielt und man die Platten unabhängig vom Preis digitalisieren lassen sollte.
Der erste ist die 78er Schellackplatte. Sie braucht eine andere Nadel, eine andere Geschwindigkeit und eine andere Entzerrung als eine LP, und wer das nicht vorhält, kann sie nicht sauber abtasten. Eine Handvoll Schellackplatten beim Spezialisten ist billiger als die Ausrüstung dafür, und das Ergebnis ist besser.
Der zweite ist die beschädigte Platte. Bei Sprüngen, tiefen Kratzern und Schimmelbefall entscheidet Erfahrung, nicht Technik – welcher Durchlauf sich lohnt, wo von Hand geschnitten wird, wann eine zweite Aufnahme mit anderer Nadel mehr bringt als jede Software. Das ist der Punkt, an dem ein guter Anbieter sein Geld wert ist und ein billiger genau nichts ausrichtet.
Häufige Fragen
Was kostet es, eine Schallplatte digitalisieren zu lassen?
Für die reine Überspielung liegen die üblichen Preise zwischen acht und fünfzehn Euro je LP. Kommen Reinigung, Entknacksen und Titeltrennung dazu, sind es zwanzig bis fünfunddreißig Euro. Abgerechnet wird meist je Plattenseite oder je angefangener Spielzeit, selten pauschal je Album – und dieser Unterschied macht bei Doppelalben und langen Seiten einiges aus.
Ab wie vielen Platten lohnt sich eigene Technik?
Gerechnet auf zehn Euro je LP liegt der Umschlagpunkt bei rund fünfundzwanzig bis vierzig Platten, je nachdem wie gut die eigene Technik ausfallen soll. Darunter ist der Dienstleister billiger und schneller. Darüber wird die eigene Kette günstiger, kostet aber etwa eine Stunde Arbeit je Album.
In welchem Format bekomme ich die Dateien zurück?
Das ist der Punkt, der vor der Beauftragung geklärt gehört. Seriöse Anbieter liefern wahlweise WAV oder FLAC in 24 Bit; manche liefern ausschließlich MP3, und dann ist die Überspielung als Archiv wertlos, weil sich aus einer MP3 nichts Besseres mehr herstellen lässt. Wer nur MP3 angeboten bekommt, sollte nach der verlustfreien Fassung fragen.
Was passiert mit meinen Platten währenddessen?
Sie gehen physisch aus dem Haus, meist auf dem Postweg. Wichtig sind deshalb drei Punkte im Kleingedruckten: ob der Anbieter die Sendung versichert, ob er die Platten vor dem Abspielen reinigt, und wie lange er sie behält. Wer unersetzliche Platten hat, bringt sie besser persönlich vorbei oder lässt zuerst eine einzelne als Probe laufen.