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TRK 01 Übersicht

Start / Schallplatten digitalisieren

Schallplatten digitalisieren: Anleitung, Geräte und die Kosten

Wer seine Platten digitalisieren will, findet hier eine Anleitung in sechs Schritten: was in welcher Reihenfolge passieren muss, welche Geräte es braucht, was es kostet, ab wann sich Schallplatten digitalisieren lassen eher lohnt als selbermachen – und wo die Fehler sitzen, die sich später nicht mehr beheben lassen.

Explosionszeichnung eines Tonarms: Gegengewicht, Armrohr, Headshell und Tonabnehmer
Die Kette beginnt mechanisch – und die teuerste Software ändert daran nichts.
TRK 02 Der Ablauf

Anleitung: die sechs Schritte in der Reihenfolge, in der sie zählen

Jede Anleitung zum Schallplatten digitalisieren fängt beim Programm an, und genau das ist der häufigste Fehler: Entscheidend ist nicht die Wahl der Software, sondern die Reihenfolge. Was am Anfang der Kette verloren geht, ist unwiederbringlich; was am Ende passiert, lässt sich beliebig oft wiederholen. Daraus folgt, wo Aufwand sich lohnt.

1. Die Platte reinigen

Vor dem ersten Durchlauf, jedes Mal. Eine Kohlefaserbürste entlang der Rille entfernt losen Staub; bei sichtbarer Verschmutzung braucht es eine Nassreinigung mit destilliertem Wasser und einem rückstandsfreien Tensid. Leitungswasser ist ungeeignet, weil Kalk genau dort zurückbleibt, wo vorher der Staub saß.

2. Den Plattenspieler prüfen

Auflagekraft nach Herstellerangabe des Tonabnehmers einstellen, Antiskating passend dazu, Überhang mit einer Schablone kontrollieren. Die Nadel ansehen: Abnutzung ist mit einer Lupe erkennbar, und eine abgenutzte Nadel beschädigt die Platte, die gerade gesichert werden soll. Die Geschwindigkeit lässt sich mit einer Stroboskopscheibe prüfen.

3. Die Kette verkabeln

Tonabnehmer, Phono-Vorstufe, A/D-Wandler, Rechner. Der Phono-Eingang ist nicht optional: Ohne RIAA-Entzerrung klingt die Aufnahme dünn und schrill, und eine nachträgliche Korrektur ist immer nur eine Näherung. Bei einem USB-Plattenspieler sind Vorstufe und Wandler eingebaut.

4. Aussteuern

Der Schritt, der über die Qualität entscheidet. Die lauteste Stelle – meist am Anfang einer Seite – auf etwa minus zwölf bis minus sechs Dezibel einpegeln. Das klingt beim Abhören zu leise und ist richtig: Der Abstand nach oben fängt die eine unerwartet laute Passage ab, und bei 24 Bit kostet er nichts.

5. Aufnehmen und sichern

Die Seite am Stück aufnehmen, nicht Titel für Titel. Danach die unbearbeitete Aufnahme speichern, bevor irgendetwas verändert wird. Diese Rohdatei ist die eigentliche Sicherung; alles Weitere ist eine Bearbeitung, die man später vielleicht anders machen will.

6. Trennen, entknacksen, taggen

Erst jetzt kommt die Software ins Spiel. Titel trennen, Knackser entfernen, Rauschen nur so weit reduzieren, wie es ohne Verlust an Höhen geht, Metadaten setzen, als FLAC exportieren.

  1. 01 reinigen 2–5 min
  2. 02 prüfen einmalig
  3. 03 verkabeln einmalig
  4. 04 aussteuern 2 min
  5. 05 aufnehmen 20 min / Seite
  6. 06 bearbeiten ~30 min / Album
Sechs Schritte, und nur zwei davon kosten bei jeder Platte erneut Zeit. Die Reihenfolge ist nicht beliebig: Was in Schritt 1 und 4 versäumt wird, lässt sich in Schritt 6 nicht mehr nachholen.
TRK 03 Die drei Wege

Geräte und Wege: Schallplatten digitalisieren mit oder ohne Rechner

Mit Rechner und getrennten Komponenten. Die größte Kontrolle und der größte Aufwand. Sinnvoll ab etwa fünfzig Platten oder wenn ein guter Plattenspieler ohnehin vorhanden ist. Wer nur eine einzelne LP digitalisieren möchte, braucht ihn nicht. Hier entscheidet die Software tatsächlich über den Zeitaufwand – der Vergleich der vier gängigen Programme zeigt, wo die Unterschiede liegen.

USB-Plattenspieler. Vorstufe und Wandler sind eingebaut, ein Kabel zum Rechner genügt. Um gelegentlich eine LP digitalisieren zu können, ist das der kürzeste Weg. Der Einstieg ist deutlich einfacher, die Qualitätsgrenze liegt beim mitgelieferten Tonabnehmer. Für eine überschaubare Zahl von Platten die pragmatische Wahl.

Schallplatten digitalisieren lassen. Der Weg über einen Dienstleister ist weiter unten durchgerechnet; unterhalb von etwa zwanzig Platten ist er fast immer der günstigere.

Ohne Rechner. Geräte, die direkt auf SD-Karte oder USB-Stick schreiben. Bequem, ohne Einarbeitung, mit einer harten Einschränkung: Sie schreiben meist MP3 mit fester Bitrate und trennen keine Titel. Wer nur gelegentlich eine Platte digitalisieren will, fährt damit gut; wer viele Platten digitalisieren möchte, verschiebt die Arbeit nur nach hinten. Wer später doch nachbearbeiten will, tut das dann auf schlechterem Ausgangsmaterial.

Der Weg ganz ohne Rechner hat genug eigene Fallstricke – Dateisystem des Sticks, feste Datenraten, fehlende Aussteuerungsanzeige –, dass er eine eigene Seite verdient: Schallplatten digitalisieren ohne PC. Welche Geräteklassen es gibt und welches Bauteil den Klang bestimmt, steht unter Schallplatten Digitalisierer.

TRK 04 Kosten

Kosten: selbst machen oder in Auftrag geben

Wer Schallplatten digitalisieren lassen will, zahlt in Deutschland überwiegend pro Platte: etwa acht bis fünfzehn Euro für eine einfache Überspielung, zwanzig bis fünfunddreißig Euro mit Reinigung, Entknacksen und Titeltrennung. Dazu kommt der Versand, der bei Vinyl weder billig noch risikolos ist.

Die eigene Ausrüstung liegt, wenn ein brauchbarer Plattenspieler vorhanden ist, bei etwa hundert bis zweihundert Euro für Vorstufe und Wandler plus gegebenenfalls eine Softwarelizenz. Ohne Plattenspieler kommt ein gebrauchtes Gerät mit frischer Nadel dazu.

Damit lassen sich die Kosten fürs Schallplatten digitalisieren vergleichen: Die Rechnung kippt in der Größenordnung von etwa vierzig Platten. Darunter ist der Dienstleister klar günstiger; darüber ist die eigene Ausrüstung billiger und bleibt danach da. Dazwischen entscheidet, ob man die Arbeit selbst machen möchte – es sind bei fünfzig Platten ungefähr fünfzig Stunden.

Preise je Plattenseite, die Prüfpunkte vor der Beauftragung und was beim Versand schiefgeht, stehen unter Schallplatten digitalisieren lassen.

TRK 05 Die häufigen Fehler

Die sechs Fehler, die am häufigsten vorkommen

Fast alle misslungenen Digitalisierungen lassen sich auf eine kleine Zahl wiederkehrender Ursachen zurückführen. Vier davon passieren vor der ersten Aufnahme, zwei danach.

Ohne Phono-Vorstufe aufnehmen

Das Signal eines Tonabnehmers ist rund sechzigmal schwächer als Line-Pegel und zusätzlich nach der RIAA-Kennlinie verzerrt. Wer den Plattenspieler direkt an einen Line-Eingang legt, bekommt eine leise, dünne und schrille Aufnahme. Erkennbar ist der Fehler sofort: Es fehlt hörbar der gesamte Bassbereich. Korrigierbar ist er nachträglich nur näherungsweise.

Zu laut aussteuern

Übersteuerung entfernt Information, die nie aufgezeichnet wurde. In der Wellenform sind die betroffenen Stellen als flache Plateaus an den Spitzen erkennbar. Kein Werkzeug stellt sie wieder her – die Stelle muss neu aufgenommen werden. Deshalb der großzügige Abstand nach oben beim Einpegeln.

Die Platte ungereinigt abspielen

Staub wird nicht nur mitaufgenommen, sondern von der Nadel zusätzlich in die Rillenwand gedrückt. Die Aufnahme trägt das Knistern dauerhaft, und die Platte ist danach schlechter als vorher. Der Reinigungsschritt kostet zwei Minuten und ist der mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung.

Mit abgenutzter Nadel arbeiten

Eine Diamantnadel hält je nach Schliff zwischen vierhundert und tausend Stunden. Danach nimmt sie nicht nur schlechter ab, sie hat eine veränderte Auflagefläche und beschädigt die Rille. Wer eine Sammlung sichern will, prüft die Nadel vorher – bei unbekannter Vorgeschichte ist ein Tausch die günstigere Entscheidung.

Zu stark entrauschen

Rauschunterdrückung zieht ein Rauschprofil über die gesamte Aufnahme ab, und dieses Profil liegt im selben Frequenzbereich wie die Höhen. Das Ergebnis ist sauber und dumpf: Becken verlieren ihren Anschlag, Streicher werden flach. Die Reihenfolge lautet: entknacksen so weit wie nötig, entrauschen so wenig wie möglich.

Die Rohaufnahme nicht aufheben

Jede Bearbeitung ist eine Entscheidung, die man später anders treffen möchte – ein neues Werkzeug, mehr Erfahrung, ein anderes Ziel. Wer die unbearbeitete Aufnahme gelöscht hat, muss die Platte wieder auflegen, und jeder weitere Durchlauf kostet Material. Die Rohdatei ist die eigentliche Sicherung.

TRK 06 Nach der Aufnahme

Wie lange das Ganze dauert

Eine vollständige Anleitung ist ohne Zeitangabe wenig wert. Realistisch sind pro Album rund eine Stunde mit automatischer Titeltrennung und etwa zwei Stunden von Hand, jeweils einschließlich Reinigung und Metadaten. Die reine Abspielzeit ist dabei der kleinere Teil; den Ausschlag gibt, wie viel Nachbearbeitung anfällt. Für eine Sammlung von fünfzig Platten sind damit fünfzig bis hundert Stunden anzusetzen – eine Zahl, die vor der Entscheidung für den einen oder anderen Weg auf dem Tisch liegen sollte.

Kassetten und Tonbänder: dieselbe Kette, andere Reihenfolge

Wer Platten digitalisiert, hat meist auch Kassetten. Der Ablauf ist kürzer – ein Tapedeck liefert Line-Pegel, eine Phono-Vorstufe entfällt – dafür kommen zwei Punkte dazu, die es bei Vinyl nicht gibt.

Die Rauschunterdrückung muss beim Abspielen so eingestellt sein wie bei der Aufnahme. Ein mit Dolby B aufgenommenes Band ohne Dolby B abgespielt klingt spitz und zu laut in den Höhen; umgekehrt dumpf. Bei fremden Aufnahmen steht die Einstellung selten dabei – dann hilft nur Ausprobieren und Vergleichen.

Der Tonkopf muss zum Band ausgerichtet sein. Ein schief stehender Kopf kostet Höhen, und zwar deutlich mehr, als jede spätere Bearbeitung zurückholen kann. Die Azimut-Einstellung lässt sich an vielen Geräten mit einer kleinen Schraube korrigieren, während ein Band mit viel Höhenanteil läuft.

Dringlicher als bei Vinyl ist die Sache trotzdem. Magnetband altert schlechter vorhersehbar: Die Bindemittelschicht kann Feuchtigkeit ziehen und beim Abspielen verkleben, was das Band in einem einzigen Durchlauf zerstört. Betroffen sind vor allem Bänder aus den späten Siebzigern und Achtzigern. Wer eine Sammlung hat, an der ihm liegt, fängt dort an und nicht bei den Platten.

Was die Platte technisch hergibt

Für die Wahl von Abtastrate und Bittiefe hilft es, die Obergrenze der Quelle zu kennen. Eine gut erhaltene LP liefert einen Frequenzumfang von etwa dreißig Hertz bis knapp über sechzehn Kilohertz, einen Störabstand von rund sechzig bis fünfundsechzig Dezibel und eine Kanaltrennung von fünfundzwanzig bis dreißig Dezibel.

Der Störabstand ist dabei die eigentliche Grenze: Fünfundsechzig Dezibel entsprechen rechnerisch etwa elf Bit. Eine 16-Bit-Aufnahme bildet eine Schallplatte also bereits vollständig ab; alles darüber zeichnet nur das Rauschen der Oberfläche feiner auf.

Warum dann trotzdem 24 Bit aufnehmen? Nicht wegen der Auflösung, sondern wegen des Aussteuerungsspielraums – man kann mit großem Abstand nach oben arbeiten, ohne unten etwas zu verlieren. Es ist eine Arbeitsreserve, kein Klanggewinn, und wer das so einordnet, gibt sein Geld an anderer Stelle aus: bei der Nadel, der Justage und der Reinigung.

Schellack: der Sonderfall

78er-Platten aus Schellack brauchen eine andere Nadel – deutlich breiter als eine Mikrorille – und eine andere Entzerrung, weil die RIAA-Kennlinie erst ab den 1950er Jahren genormt war. Mit einer normalen Nadel abgespielt klingt eine Schellackplatte falsch und wird dabei beschädigt.

Praktisch heißt das: Entweder ein Gerät mit umschaltbarer Nadel und einstellbarer Entzerrung, oder die Aufnahme flach machen und die Entzerrung in der Software nachbilden. Der zweite Weg ist der übliche, weil er sich jederzeit korrigieren lässt. Und Alkohol gehört nie an eine Schellackplatte – er löst die Oberfläche.

Ablage, Benennung und Sicherung

Der Teil, der am häufigsten improvisiert wird und später den meisten Ärger macht. Drei Entscheidungen lohnen sich vorab.

Format. FLAC als Archivformat, verlustfrei und mit Metadatenfeldern. Daraus lässt sich jederzeit eine MP3 für unterwegs erzeugen – umgekehrt geht es nicht. WAV ist während der Bearbeitung sinnvoll, als dauerhafte Ablage aber unnötig groß und ohne saubere Metadatenunterstützung.

Benennung. Ein Ordner je Album, benannt nach Interpret, Erscheinungsjahr und Titel; darin die Rohaufnahme der Seite und die getrennten Titel mit vorangestellter Titelnummer. Umlaute und Sonderzeichen in Dateinamen vermeiden, weil sie beim Kopieren zwischen Betriebssystemen und auf Netzlaufwerken regelmäßig Probleme machen.

Metadaten in die Datei, nicht nur in den Dateinamen. FLAC hat Felder für Interpret, Album, Jahr, Titelnummer und Cover, und jede Abspielsoftware liest sie aus. Ein Zusatzfeld für die verwendete Ausgabe – Erstpressung, Wiederveröffentlichung, Remaster – ist die Angabe, die später am häufigsten fehlt und am schwersten zu rekonstruieren ist.

Zur Sicherung gilt, was für jedes Archiv gilt: drei Kopien auf zwei verschiedenen Medienarten, davon eine an einem anderen Ort. Eine einzelne Festplatte ist keine Sicherung, und eine SSD, die jahrelang stromlos liegt, verliert Daten auch ohne Defekt.

Die vollständige Ablage – Ordnerstruktur, welche Felder sich lohnen, kostenlose Werkzeuge und die Sicherung, die eine Sammlung überlebt – steht unter Schallplatten archivieren.

Wie die Geräte überhaupt zusammenkommen – Phono-Vorstufe, Wandler und die Frage, woher das Brummen stammt – steht unter Plattenspieler an den PC anschließen. Für den häufigsten Weg danach gibt es eine eigene Anleitung: Schallplatten digitalisieren mit Audacity, von der ersten Einstellung bis zum Export. Was davor passiert, steht unter Schallplatten reinigen; welches Format die fertige Aufnahme verdient, unter Dateiformate für digitalisierte Schallplatten; und wie der Bestand danach geordnet bleibt, unter Schallplattensammlung verwalten.

TRK 07 Häufige Fragen

Häufige Fragen

Was brauche ich mindestens, um Schallplatten zu digitalisieren?

Einen funktionierenden Plattenspieler mit brauchbarer Nadel, eine Phono-Vorstufe (eingebaut oder separat), einen A/D-Wandler beziehungsweise einen Audioeingang am Rechner und ein Aufnahmeprogramm. Bei einem USB-Plattenspieler sind Vorstufe und Wandler bereits enthalten – das ist der kürzeste Weg und zugleich der mit der geringsten Kontrolle über die Qualität.

Wie lange dauert es, eine LP zu digitalisieren?

Die reine Aufnahme dauert so lange wie die Platte, also etwa vierzig Minuten für beide Seiten. Dazu kommen Vorbereitung, Titeltrennung, Entknacksen und Metadaten. Mit einem Programm, das die Titel automatisch trennt, liegt der Gesamtaufwand bei rund einer Stunde je Album; von Hand eher bei zwei.

Lohnt sich ein USB-Plattenspieler?

Für eine gelegentliche Sicherung ja, für eine Sammlung selten. Der begrenzende Faktor ist bei den günstigen Geräten nicht die eingebaute Elektronik, sondern der Tonabnehmer: eine einfache Nadel klingt nicht nur schlechter, sie nutzt die Platte auch stärker ab.

Welches Dateiformat soll ich wählen?

FLAC als Archivformat – verlustfrei, rund vierzig Prozent kleiner als WAV und mit Feldern für Metadaten. Daraus lässt sich jederzeit eine MP3 erzeugen; umgekehrt geht es nicht. WAV ist als Zwischenformat während der Bearbeitung sinnvoll.

Muss ich die Platte vorher reinigen?

Ja, und zwar immer. Staub in der Rille wird mit aufgenommen und beim Abspielen zusätzlich in die Rillenwand gedrückt. Eine Kohlefaserbürste vor jedem Durchlauf ist das Minimum; sichtbar verschmutzte Platten brauchen eine Nassreinigung mit destilliertem Wasser.