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Schallplatten digitalisieren ohne PC: Geräte, USB-Stick und Grenzen
Der Wunsch dahinter ist fast immer derselbe: die Sammlung sichern, ohne sich mit einem Aufnahmeprogramm zu beschäftigen. Schallplatten digitalisieren auf USB-Stick oder auf eine Speicherkarte geht tatsächlich – und es kostet an einer Stelle etwas, die in keinem Datenblatt steht.
Schallplatten digitalisieren ohne PC: drei Geräte-Wege, die wirklich funktionieren
Wer Schallplatten digitalisieren ohne PC will, hat drei Möglichkeiten, und sie unterscheiden sich weniger im Klang als darin, wie viel Kontrolle sie abgeben.
Der Plattenspieler mit eigenem Speicher. Geräte dieser Bauart haben einen USB-Anschluss auf der Vorderseite oder einen Schacht für eine SD-Karte. Man legt die Platte auf, drückt eine Aufnahmetaste, und am Ende der Seite liegt eine Datei auf dem Stick. Vorstufe und Wandler sitzen im Gerät. Das ist der kürzeste Weg überhaupt und der, bei dem am wenigsten schiefgehen kann – solange man akzeptiert, was das Gerät intern entscheidet.
Der separate Rekorder am Line-Ausgang. Jeder Plattenspieler mit eingebauter Phono-Vorstufe, und jede HiFi-Anlage mit Tape-Ausgang, lässt sich an einen tragbaren Audiorekorder hängen – dieselben Geräte, die sonst für Konzertmitschnitte und Interviews benutzt werden. Sie kosten ab etwa hundert Euro, nehmen in WAV auf, zeigen einen echten Pegelsteller und eine Aussteuerungsanzeige. Das ist der beste Kompromiss: kein Rechner, aber die Kontrolle, die der erste Weg wegnimmt.
Die Anlage, die es schon kann. Manche Kompaktanlagen und ältere CD-Rekorder nehmen von einem Eingang direkt auf USB oder auf CD auf. Das lohnt die Prüfung, bevor etwas Neues gekauft wird: Die Funktion heißt im Handbuch je nach Hersteller „USB-Recording", „Direct Encoding" oder schlicht „Aufnahme", und sie steckt in mehr Geräten, als die meisten Besitzer wissen.
Der vierte Weg, der oft genannt wird, ist keiner: Bluetooth. Ein Plattenspieler, der per Bluetooth an einen Lautsprecher oder ein Telefon sendet, komprimiert das Signal für die Übertragung. Was am anderen Ende ankommt, ist bereits beschnitten, und zwar bevor irgendetwas gespeichert wurde. Für das Hören ist das in Ordnung. Für eine Aufnahme, die das Original ersetzen soll, ist es der falsche Anfang.
Was der Weg ohne Rechner tatsächlich kostet
Nicht in Euro – in Entscheidungen, die das Gerät für einen trifft und die später niemand zurücknehmen kann.
Die Datenrate. Die meisten Geräte unter hundert Euro schreiben MP3 mit fest eingestellten 128 kbit/s. Das ist die eine Zahl, die zählt, denn alles andere lässt sich nachbessern und diese nicht: Was der Kodierer weggelassen hat, ist weg. Auf der Vergleichsseite dieses Bereichs liegt ein Hörvergleich derselben Passage in fünf Datenraten. Bei 128 kbit/s endet das Signal gemessen bei 16,5 kHz, bei 64 kbit/s schon bei 10,9 kHz. Wer vorhat, die Platten anschließend zu verkaufen oder wegzugeben, sollte sich diese Stelle anhören, bevor er ein Gerät kauft.
Die Aussteuerung. Ohne Anzeige nimmt man blind auf. Ein zu hoher Pegel erzeugt Übersteuerungen, die sich später nicht mehr entfernen lassen, weil die Information nicht aufgezeichnet wurde. Ein zu niedriger holt beim Anheben das Grundrauschen des Wandlers mit hoch. Geräte mit fester Verstärkung treffen diese Entscheidung für jede Platte gleich, obwohl Pressungen sich in ihrem Pegel deutlich unterscheiden.
Die Reihenfolge. Wer Schallplatten digitalisieren ohne PC will, verschiebt damit auch die Arbeit: Entknacksen, Titel trennen und benennen passieren am Rechner oder gar nicht. Das ist der Punkt, an dem der Weg ohne PC in der Praxis oft doch wieder zu einem mit PC wird – nur eben später, mit einer Datei, deren Qualität schon feststeht. Wer das von vornherein einplant, nimmt gleich in WAV auf und bearbeitet einmal statt zweimal.
Der Tonabnehmer. Bei Komplettgeräten der untersten Preisklasse ist nicht die Elektronik die Grenze, sondern die Nadel. Eine einfache Nadel mit hoher Auflagekraft klingt nicht nur dumpfer, sie schleift die Rille auch messbar stärker. Wer eine Sammlung sichert, an der ihm liegt, verliert hier mehr als an jeder Datenrate – denn dieser Schaden bleibt auf der Platte zurück.
Geräte-Auswahl: die fünf Angaben, die im Datenblatt zählen
Die Prospekte dieser Klasse sind voll mit Zahlen, die nichts entscheiden. Diese fünf entscheiden:
Erstens das Aufnahmeformat. Steht dort nur „MP3", ist die Datenrate fest und meist niedrig. Steht „WAV 16 Bit / 44,1 kHz", ist das Gerät für eine Sicherung brauchbar. Steht „24 Bit", ist Spielraum beim Aussteuern da, und das ist der eigentliche Gewinn der höheren Bittiefe.
Zweitens ein Line-Ausgang. Er entscheidet, ob das Gerät später noch an etwas anderes angeschlossen werden kann – an einen Rekorder, an eine Anlage, an einen Wandler. Ein Plattenspieler ohne Line-Ausgang ist eine Sackgasse.
Drittens ein einstellbarer Aufnahmepegel. Ohne ihn nimmt das Gerät jede Platte mit derselben Verstärkung auf, und leise gepresste Klassik landet dann dreißig Dezibel unter einer lauten Rockpressung.
Viertens der Tonabnehmer. Austauschbar oder fest verbaut? Ein austauschbarer Tonabnehmer verlängert die Lebensdauer des Geräts um Jahre und die der Platten ebenso.
Fünftens der Riemen- gegen den Direktantrieb. Für die Aufnahme ist der Gleichlauf entscheidend, nicht die Bauart – aber Geräte mit Direktantrieb in dieser Klasse geben ihn häufiger im Datenblatt an, und eine Angabe, die niemand macht, ist meistens keine gute.
Was in dieser Liste bewusst fehlt, sind Watt-Angaben eingebauter Lautsprecher und die Zahl der Geschwindigkeiten. Ein Gerät, das mit 78 Umdrehungen wirbt, ohne einen passenden Tonabnehmer für Schellack mitzuliefern, kann die Platten zwar drehen, aber nicht sauber abtasten – die Rille einer Schellackplatte ist deutlich breiter als die einer LP.
Schallplatten digitalisieren auf USB-Stick: Formate, Größen und die Stolpersteine
Schallplatten digitalisieren auf USB-Stick klingt nach der einfachsten Sache der Welt und scheitert erstaunlich oft an drei Kleinigkeiten.
Das Dateisystem. Viele Geräte lesen ausschließlich FAT32. Ein neuer Stick ist ab Werk häufig mit exFAT formatiert, wird erkannt, aber nicht beschrieben – und die Fehlermeldung lautet dann meist nur „No USB". Vor dem ersten Versuch also formatieren, und zwar in FAT32. Die Grenze von vier Gigabyte je Datei spielt keine Rolle: Eine LP-Seite in WAV bleibt weit darunter.
Die Größe. Eine vierzigminütige LP braucht in WAV bei 16 Bit und 44,1 kHz rund 420 MB, in 24 Bit bei 96 kHz etwa das Dreifache, als MP3 mit 192 kbit/s rund 58 MB. Ein Stick mit 32 GB fasst damit etwa siebzig LPs verlustfrei. Für eine Sammlung von mehreren hundert Platten ist der Stick ein Zwischenlager, keine Ablage – die Sicherung gehört auf eine Festplatte, und zwar auf zwei.
SPEICHER JE LP-SEITE · 40 MINUTEN · STEREO
AUF EINEM 32-GB-STICK: 23 · 76 · 126 · 333 · 556 · 833 SEITEN
Die Benennung. Geräte ohne Display schreiben Dateien als
REC001.WAV, REC002.WAV und so weiter. Nach zwanzig Platten weiß
niemand mehr, welche welche ist. Wer ohne Rechner arbeitet, führt eine Liste auf Papier mit,
oder benennt nach jeder Platte sofort um. Der Aufwand ist klein; ihn nachzuholen ist es nicht.
Wer Schallplatten digitalisieren auf USB-Stick will, sollte zuletzt noch eines beachten, und es kostet nichts: Den Stick nach der Aufnahme sauber auswerfen, nicht im laufenden Betrieb ziehen. Abgebrochene Schreibvorgänge erzeugen Dateien, die auf dem Gerät noch in der Liste stehen und sich am Rechner nicht mehr öffnen lassen.
Ohne Rechner wird nicht entknackst – deshalb zählt die Reinigung doppelt
Das ist der Punkt, der in Kaufberatungen fast nie vorkommt und der in der Praxis über das Ergebnis entscheidet. Wer am Rechner aufnimmt, kann hinterher entknacksen: Die Software sucht die kurzen Ausschläge, schneidet sie heraus und rechnet die Lücke aus dem Umfeld. Wer ohne Rechner aufnimmt, hat diesen Schritt nicht. Jeder Knackser, der beim Abspielen zu hören ist, steht anschließend in der Datei, und zwar für immer.
Wie groß der Unterschied ist, lässt sich beziffern. Im Hörvergleich zur Restauration entfernt ein Durchlauf neunzehn von neunzehn deutlichen Knacksern und kostet dabei 13,5 Prozent der Höhen. Das ist ein Tausch, den die meisten sofort eingehen würden – aber er steht nur dem offen, der die Aufnahme später anfasst.
Für den Weg ohne Rechner folgt daraus eine andere Reihenfolge der Sorgfalt. Alles, was sonst die Software erledigt, muss vorher passieren:
Die Platte wird nass gereinigt, nicht abgestaubt. Eine Kohlefaserbürste holt den losen Staub von der Oberfläche, aber nicht das, was in der Rille sitzt. Für eine Platte, deren Aufnahme nicht mehr korrigiert wird, lohnt die Nassreinigung mit destilliertem Wasser und ein paar Tropfen Spülmittel, anschließend trocken tupfen und vollständig trocknen lassen. Der hörbare Unterschied liegt genau in dem Bereich, den ein Entknackser sonst aufräumt.
Die Nadel wird vor dem Durchlauf geprüft. Ein Staubkorn an der Nadelspitze erzeugt über die ganze Seite ein Geräusch, das keine spätere Bearbeitung mehr trennen kann, weil es nicht punktuell ist, sondern durchgehend.
Die Auflagekraft wird eingestellt, nicht geschätzt. Zu wenig Auflagekraft lässt die Nadel in lauten Passagen springen, und ein Sprung ist der eine Fehler, den selbst der beste Entknackser nicht reparieren kann. Zu viel verschleißt die Rille. Der Wert steht im Datenblatt des Tonabnehmers, meist zwischen 1,5 und 2,5 Gramm.
Und die Seite wird einmal probegehört, bevor aufgenommen wird. Bei einer Aufnahme, die nicht nachbearbeitet wird, ist das der einzige Moment, in dem ein Problem noch auffallen und behoben werden kann. Zwei Minuten reichen: Anfang, Mitte, Ende der Seite.
Wann der Weg ohne Rechner der richtige ist – und wann nicht
Er ist richtig, wenn es um eine überschaubare Zahl von Platten geht, die man wieder hören will, ohne den Plattenspieler anzuwerfen. Für den Wagen, für das Telefon, für den Küchenlautsprecher. Dafür ist eine MP3 mit 192 kbit/s vollkommen ausreichend, und der ganze Vorgang dauert genau so lange, wie die Platte spielt.
Schallplatten digitalisieren ohne PC ist dagegen falsch, wenn die Aufnahme das Original ersetzen soll. Sobald die Platte danach weggegeben, verkauft oder eingelagert wird, ist die Datei alles, was bleibt – und dann sind eine feste niedrige Datenrate, eine blinde Aussteuerung und ein nicht austauschbarer Tonabnehmer drei Entscheidungen, die man nicht mehr rückgängig machen kann. Für diesen Fall lohnt entweder der Weg über Software am Rechner oder der über einen Dienstleister.
Dazwischen liegt der Weg, der sich am häufigsten bewährt: ein vorhandener Plattenspieler mit Line-Ausgang, ein tragbarer Rekorder in WAV, und die Bearbeitung später in Ruhe am Rechner. Kein Aufnahmeprogramm während des Abspielens, keine Kabel zum Rechner, und trotzdem eine Datei, aus der sich hinterher alles machen lässt. Der vollständige Ablauf steht in der Anleitung zum Schallplatten digitalisieren.
Häufige Fragen
Kann man Schallplatten wirklich ganz ohne Computer digitalisieren?
Ja. Es gibt Plattenspieler, die direkt auf einen USB-Stick oder eine SD-Karte aufnehmen, und separate Rekorder, die an jeden Plattenspieler mit Line-Ausgang passen. Der Rechner wird für die Aufnahme selbst nicht gebraucht. Was ohne ihn nicht passiert, ist alles danach: Titel trennen, entknacksen, benennen, sichern.
In welchem Format nehmen diese Geräte auf?
Die günstigen fast immer als MP3 mit fest eingestellter Datenrate, meist 128 oder 192 kbit/s. Geräte ab etwa hundertfünfzig Euro bieten WAV in 16 Bit bei 44,1 kHz, einzelne auch 24 Bit. Die Datenrate ist die wichtigste Zahl im Datenblatt, weil sie als Einzige nachträglich nicht mehr zu ändern ist.
Wie viele Platten passen auf einen USB-Stick?
Als WAV in 16 Bit bei 44,1 kHz braucht eine LP mit vierzig Minuten Spielzeit rund 420 MB, als MP3 mit 192 kbit/s rund 58 MB. Auf einen Stick mit 32 GB gehen also ungefähr siebzig LPs verlustfrei oder mehrere hundert als MP3. Der Stick sollte in FAT32 formatiert sein; exFAT und NTFS erkennen viele Geräte nicht.
Trennen die Geräte die einzelnen Titel automatisch?
Manche versuchen es über die Pause zwischen den Stücken, und bei sauber gepressten Platten mit deutlichen Zwischenräumen geht das oft gut. Bei Live-Aufnahmen, durchgehenden Seiten und leisen Übergängen geht es regelmäßig daneben. Wer die Trennung genau haben will, macht sie später am Rechner oder nimmt gleich die ganze Seite als eine Datei auf.