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Schallplatten Digitalisierer: Geräte, Plattenspieler und High-End

Wer einen Plattenspieler digitalisieren will, kauft eine Kette aus vier Gliedern – und sie sind nicht gleich wichtig. Wer weiß, welches davon zählt, kauft anders ein.

Querschnitt durch eine Plattenrille mit den beiden angeschrägten Rillenwänden und der Nadelspitze dazwischen.
Das einzige Bauteil, das die Rille wirklich anfasst. Was es nicht abtastet, existiert für den Rest der Kette nicht.
TRK 02 Geräteklassen

Schallplatten Digitalisierer: drei Geräteklassen und was sie unterscheidet

Ein Schallplatten Digitalisierer ist im Handel meist ein Komplettgerät. In Wahrheit ist es eine Kette aus vier Gliedern, und der Unterschied zwischen den Klassen liegt nur darin, wie viele davon in einem Gehäuse stecken.

Alles in einem. Der klassische Schallplatten Digitalisierer als Komplettgerät: Plattenspieler mit eingebauter Vorstufe, eingebautem Wandler und USB-Anschluss, ab etwa achtzig Euro. Der Vorteil ist, dass nichts falsch verkabelt werden kann. Der Nachteil ist, dass man drei Bauteile mitkauft, die an die Qualität des billigsten gebunden sind – und das ist bei diesen Geräten fast immer der Tonabnehmer.

Plattenspieler plus Schnittstelle. Ein normaler Plattenspieler, dazu ein Audiointerface mit Phono-Eingang oder eine separate Vorstufe am Line-Eingang eines Interfaces. Ab etwa zweihundert Euro gebraucht. Das ist die Klasse, in der die meisten landen, die mehr als dreißig Platten vorhaben, weil sich jedes Glied einzeln verbessern lässt.

Getrennte Kette. Plattenspieler, Tonabnehmer, Vorstufe und Wandler jeweils für sich gewählt. Das ist die Klasse, in der Schallplatten digitalisieren high-end beginnt, und sie lohnt sich in genau einem Fall: wenn die Platten selbst die Qualität hergeben und die Aufnahme sie behalten soll.

Wer den Weg ganz ohne Rechner sucht, findet die Geräte dafür unter Schallplatten digitalisieren ohne PC – das ist eine Frage des Arbeitswegs, nicht der Bauteilqualität.

TRK 03 Der Tonabnehmer

Der Tonabnehmer entscheidet, alles andere verarbeitet nur

Wer einen Plattenspieler digitalisieren will, kauft in Wahrheit vor allem diesen einen Teil. Er ist das einzige Bauteil, das die Rille wirklich anfasst. Was er nicht abtastet, existiert für den Rest der Kette nicht, und kein Wandler holt es zurück.

Der Schliff der Nadel ist die wichtigste Angabe. Ein sphärischer Schliff sitzt mit einer runden Spitze in der Rille und berührt die Rillenwand auf einem kurzen Stück. Ein elliptischer Schliff liegt an einer längeren Linie an und folgt damit feineren Auslenkungen, also den Höhen. Feinere Schliffe wie Shibata oder Line Contact gehen noch weiter und laufen zugleich auf einer anderen Höhe in der Rillenwand – weshalb sie auf abgespielten Platten oft deutlich besser klingen als die Nadel, die den Verschleiß verursacht hat.

Die Auflagekraft ist kein Detail. Zu wenig lässt die Nadel in lauten Passagen springen, und ein Sprung ist der eine Fehler, den auch der beste Entknackser nicht repariert. Zu viel verschleißt Rille und Nadel. Der Wert steht im Datenblatt, meist zwischen 1,5 und 2,5 Gramm, und er wird eingestellt, nicht geschätzt – eine Tonarmwaage kostet zwanzig Euro und ist die günstigste Klangverbesserung überhaupt.

Mono-Pressungen sind ein eigener Fall. Ihre Rille ist breiter als die einer Stereopressung, und eine Stereonadel läuft darin auf dem Grund statt an den Wänden. Sie nimmt dadurch mehr Schmutz und mehr Abnutzung mit auf, als nötig wäre. Wer viele Monoplatten hat, fährt mit einer eigenen Mono-Nadel hörbar besser; wer drei hat, nimmt in Kauf, dass sie etwas rauschiger ausfallen als der Rest.

Eine abgenutzte Nadel hört man nicht sofort. Sie klingt zunächst nur etwas matter, und weil das langsam passiert, fällt es niemandem auf. Die übliche Standzeit liegt bei rund tausend Stunden; wer eine gebrauchte Kette kauft, rechnet mit einer neuen Nadel als Teil des Preises. Für eine Digitalisierung ist das besonders wichtig, weil der Zustand der Nadel in jede einzelne Aufnahme eingeht und sich nicht nachträglich ändern lässt.

TRK 04 Die Vorstufe

Warum ein Plattenspieler digitalisieren ohne Vorstufe nicht funktioniert

Wer einen Plattenspieler digitalisieren will, stößt hier auf den häufigsten Anfängerfehler: den Plattenspieler direkt an den Line- oder Mikrofoneingang zu hängen.

Das Signal eines Tonabnehmers ist etwa tausendmal leiser als ein Line-Signal. Vor allem aber ist es absichtlich verzerrt: Beim Schneiden der Platte werden die Bässe abgesenkt und die Höhen angehoben, weil tiefe Töne sonst so breite Auslenkungen erzeugen würden, dass eine Plattenseite nur wenige Minuten fasste. Diese Kennlinie heißt RIAA, und die Phono-Vorstufe macht sie beim Abspielen exakt rückgängig.

Ohne diesen Schritt klingt die Aufnahme leise, dünn und scharf. Sie lässt sich nachträglich mit einem Entzerrer annähern, aber eben nur annähern: Was im Rauschen der zu leisen Aufnahme verschwunden ist, kommt nicht zurück. Der Aufwand, es später zu reparieren, ist größer als der, es vorher richtig zu machen.

Eine brauchbare separate Vorstufe kostet dreißig bis sechzig Euro und ist damit das billigste Glied der Kette. Viele Plattenspieler haben eine eingebaute, oft mit einem kleinen Schalter zwischen Phono und Line auf der Rückseite – steht er falsch, gilt genau das, was oben steht. Ein Blick auf diesen Schalter ist die erste Prüfung, wenn eine Aufnahme dünn klingt.

TRK 05 Der Wandler

Der Wandler: Bittiefe schlägt Abtastrate

Im letzten Glied eines Schallplatten Digitalisierers steht der A/D-Wandler, und hier wird regelmäßig an der falschen Zahl optimiert.

Die Bittiefe ist der eigentliche Gewinn. 24 Bit geben Spielraum beim Aussteuern: Man nimmt mit Abstand nach oben auf, sodass eine unerwartet laute Stelle nicht anschlägt, und verliert unten trotzdem nichts im Rauschen. Dieser Abstand ist die einzige Versicherung gegen den einen nicht reparierbaren Fehler.

Die Abtastrate zahlt sich später aus, nicht sofort. 96 kHz bringt beim reinen Abhören gegenüber 44,1 kHz wenig, aber Spielraum, sobald gerechnet wird – Entknacksen, Entrauschen, Entzerren arbeiten mit mehr Reserve. Wer die Datei nur ablegen und hören will, fährt mit 24 Bit bei 48 kHz genauso gut und spart zwei Drittel Platz.

Der eingebaute Soundkarteneingang ist das schwächste Glied. Ein Mikrofoneingang am Mainboard liegt im selben Gehäuse wie Grafikkarte und Netzteil, und das hört man als feines Sirren, das mit der Rechnerlast schwankt. Ein externes Interface für sechzig bis hundertzwanzig Euro löst dieses Problem vollständig, und es ist das Bauteil, das man später für jede andere Aufnahme weiterbenutzt.

TRK 06 Wo High-End aufhört

Drei Ausbaustufen, die sich rechnen lassen

Weil die Kette aus vier Gliedern besteht, lässt sich der Ausbau staffeln. Diese drei Stufen decken praktisch jeden Bedarf ab, und der Sprung zwischen ihnen ist jeweils hörbar.

Stufe eins, rund hundert Euro. Ein gebrauchter Plattenspieler aus den Achtzigern mit funktionierendem Tonarm, eine neue Nadel für den vorhandenen Tonabnehmer, eine einfache Vorstufe. Aufgenommen wird über einen vorhandenen Eingang. Das reicht für eine Sicherung, bei der es darum geht, die Musik zu haben. Der größte Einzelposten ist die Nadel, und er ist es wert: Ein gebrauchter Spieler mit alter Nadel klingt schlechter als ein billigerer mit neuer.

Stufe zwei, rund dreihundert Euro. Derselbe Plattenspieler, aber ein Tonabnehmer mit elliptischem Schliff, eine ordentliche Vorstufe und ein externes Interface mit 24 Bit. Hier liegt der größte Sprung der ganzen Leiter, und zwar deutlich: Die Höhen werden sauberer, das Rauschen des Rechners verschwindet, und die Reserve beim Aussteuern nimmt den Druck aus jeder einzelnen Aufnahme. Für die meisten Sammlungen ist das die Endstufe.

Stufe drei, ab siebenhundert Euro. Ein Laufwerk mit besserem Gleichlauf, ein feiner geschliffener Tonabnehmer, eine Vorstufe mit einstellbarem Abschlusswiderstand. Diese Stufe lohnt sich, wenn die Pressungen sie hergeben – bei gut erhaltenen Erstpressungen und bei Klassik mit großem Dynamikumfang. Bei abgespielten Alltagsplatten läuft sie ins Leere, weil dann der Zustand der Rille begrenzt und nicht die Abtastung.

Was gebraucht gekauft wird und was nicht. Laufwerk und Tonarm altern gut und sind gebraucht die vernünftigste Wahl; Riemen und Nadel sind Verschleißteile und werden neu gekauft. Vorstufen und Wandler altern elektrisch kaum, aber ein zwanzig Jahre altes Interface hat unter aktuellen Betriebssystemen oft keine Treiber mehr – hier ist neu die ruhigere Entscheidung.

Schallplatten digitalisieren high-end: wo mehr Geld aufhört zu helfen

Bei einem Schallplatten Digitalisierer lässt sich beliebig viel ausgeben. Für das Hören gibt es nach oben keine Grenze. Wer Schallplatten digitalisieren high-end betreibt, stößt dagegen auf eine, und sie liegt tiefer, als der Markt nahelegt.

Oberhalb von etwa dreihundert Euro für Tonabnehmer, Vorstufe und Wandler zusammen ist der begrenzende Faktor nicht mehr die Technik, sondern der Zustand der Platte und die Sorgfalt beim Aufnehmen. Eine ungewaschene Platte auf einer Kette für zweitausend Euro klingt schlechter als eine gewaschene auf einer für dreihundert, und das ist keine Meinung: Der Schmutz wird mit aufgenommen und liegt als Störung über dem Nutzsignal.

Was auf dieser Stufe tatsächlich noch etwas bringt, kostet fast nichts:

Die Azimut-Einstellung – steht die Nadel senkrecht in der Rille, oder leicht gekippt? Eine Kippung führt dazu, dass die beiden Kanäle unterschiedlich abgetastet werden, und das hört man als unsauberes Stereobild, nicht als Fehler.

Der vertikale Abtastwinkel – die Höhe des Tonarms über der Platte. Er ist für den Schneidwinkel der Rille ausgelegt, und eine deutlich zu hohe oder zu tiefe Einstellung verschiebt die Balance zwischen Höhen und Grundton hörbar.

Die Entkopplung. Ein Plattenspieler auf demselben Möbel wie der Lautsprecher nimmt dessen Schall über das Gehäuse wieder auf. Beim Digitalisieren ist das einfach zu lösen: die Abhöre beim Aufnehmen leise stellen oder Kopfhörer benutzen.

Der Raum und der Strom stehen dagegen fast nie im Weg, obwohl beide gern genannt werden. Netzfilter und Entkopplungsfüße verschieben beim Digitalisieren nichts, was sich gegen eine ungewaschene Platte oder eine falsch eingestellte Auflagekraft behaupten könnte. Wer an dieser Stelle Geld ausgeben will, kauft besser eine Plattenwaschmaschine: Sie wirkt auf jede Aufnahme, die danach entsteht, und sie wirkt auf den Teil des Signals, den sonst der Entknackser wegrechnen müsste – mit den Höhen, die er dabei mitnimmt.

Ebenfalls überschätzt wird die Rolle des Aufnahmeprogramms. Zwischen Audacity und einer kostenpflichtigen Anwendung liegt beim reinen Aufnehmen kein Klangunterschied, weil beide denselben Datenstrom vom Wandler entgegennehmen. Der Unterschied liegt in der Bearbeitung danach, und die ist ein eigenes Thema: Welche Anwendung was leistet, steht im Softwarevergleich.

Und darüber steht der Punkt, der jede Ausrüstung schlägt: Wer die Rohaufnahme verlustfrei aufhebt, kann die Bearbeitung in fünf Jahren mit besseren Werkzeugen wiederholen. Wer sie als MP3 ablegt, kann es nicht – unabhängig davon, was die Kette gekostet hat. Was genau dabei verloren geht, steht im Hörvergleich der Datenraten.

TRK 07 Häufige Fragen

Häufige Fragen

Was ist ein Schallplatten Digitalisierer überhaupt?

Der Begriff meint im Handel meist ein Komplettgerät: ein Plattenspieler mit eingebauter Vorstufe, eingebautem Wandler und einem USB- oder Speicherkartenanschluss. Technisch ist ein Digitalisierer aber keine einzelne Sache, sondern eine Kette aus vier Gliedern – Tonabnehmer, Vorstufe, Wandler, Aufnahmegerät –, und jedes davon kann separat oder eingebaut sein.

Welches Glied der Kette entscheidet am meisten über den Klang?

Der Tonabnehmer, mit deutlichem Abstand. Er ist das einzige Bauteil, das die Rille tatsächlich abtastet; alles danach verarbeitet nur noch, was er geliefert hat. Ein guter Wandler kann eine schlechte Nadel nicht retten, umgekehrt geht es überraschend weit.

Kann ich einen Plattenspieler direkt an den Rechner anschließen?

Nur wenn er eine Phono-Vorstufe eingebaut hat. Das Signal eines Tonabnehmers ist etwa tausendmal leiser als ein Line-Signal und zusätzlich nach der RIAA-Kennlinie verzerrt – Bässe abgesenkt, Höhen angehoben. Ohne Vorstufe klingt die Aufnahme leise, dünn und scharf, und das lässt sich nachträglich nur näherungsweise korrigieren.

Ab welchem Preis lohnt sich mehr Geld nicht mehr?

Für die Digitalisierung liegt die Grenze deutlich niedriger als fürs Hören. Oberhalb von etwa dreihundert Euro für Tonabnehmer, Vorstufe und Wandler zusammen bringt die nächste Preisstufe messbar wenig, solange Reinigung, Auflagekraft und Aussteuerung nicht stimmen – und diese drei kosten nichts.