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Schallplatten reinigen: Bürste, Nassreinigung und Maschine
Schallplatten reinigen ist der unspektakulärste Teil der ganzen Kette und der mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung. Eine Bürste für zwanzig Euro verändert am Ergebnis mehr als der Wechsel von einem Programm zum nächsten – und zwar bevor irgendetwas aufgenommen wird.
Warum die Reinigung vor der Aufnahme kommt und nicht danach
Eine Abtastnadel unterscheidet nicht zwischen Musik und Schmutz. Sie folgt der Rillenwand, und wenn dort ein Staubkorn liegt, folgt sie dem Staubkorn. Was als Knacken aus dem Lautsprecher kommt, ist eine Auslenkung wie jede andere, nur steiler.
Das ist der Grund, warum die Reihenfolge nicht verhandelbar ist. Wird die Platte schmutzig aufgenommen, steht das Knistern in der Datei, und es steht dort an derselben Stelle wie die Musik. Jede Software, die es entfernen soll, muss raten, welcher steile Ausschlag Schmutz war und welcher ein Beckenanschlag – und sie rät regelmäßig falsch. Eine stark entknackste Aufnahme klingt nicht sauber, sondern stumpf, weil mit den Knacksern die Transienten verschwinden.
Der zweite Grund ist mechanisch. Ein Staubkorn unter einer Nadel, die mit etwa zwei Pond aufliegt, wirkt auf eine sehr kleine Fläche. Es wird nicht weggeschoben, sondern in die Rillenwand gedrückt. Wer eine ungereinigte Platte abspielt, nimmt sie nicht nur schlechter auf, er beschädigt sie auch – und dieser Schaden ist der, den keine Reinigung mehr erreicht.
Praktisch heißt das: erst reinigen, dann einmal durchlaufen lassen, damit sich alles setzt, dann aufnehmen. Der ganze Ablauf steht in der Anleitung zum Schallplatten digitalisieren.
Die Trockenreinigung: was eine Bürste kann und was nicht
Die Kohlefaserbürste ist das Werkzeug für den Alltag. Ihre Fasern sind fein genug, um in die Rille zu reichen, und sie leiten, was für den eigentlichen Zweck wichtiger ist als das Bürsten: Sie führen die statische Ladung ab, die den Staub überhaupt erst festhält.
Die Anwendung ist in zehn Sekunden erledigt und wird trotzdem meistens falsch gemacht. Die Bürste wird bei laufendem Teller flach aufgelegt, ohne Druck, und zwei bis drei Umdrehungen an derselben Stelle gehalten. Danach wird sie langsam zum Rand hin geführt, damit der gesammelte Staub die Platte verlässt, statt in der nächsten Rille zu landen. Wer sie quer über die Platte zieht, verteilt den Staub.
Was die Bürste nicht kann: Sie entfernt nichts, was klebt. Fingerabdrücke, Nikotinfilm, alte Reinigungsmittelreste und der Abrieb von Papierhüllen sitzen fest, und die Fasern gleiten darüber hinweg. Eine Platte, die nach dem Bürsten immer noch grau in der Rille aussieht, braucht Flüssigkeit.
Die Samtbürsten, die vielen Plattenspielern beiliegen, sind für den Zweck schlechter: Sie nehmen den Staub von der Oberfläche, reichen aber nicht in die Rille, und ohne leitende Fasern laden sie die Platte beim Wischen zusätzlich auf.
Ein Wort zur Nadel, weil sie zum selben Arbeitsgang gehört: Was die Bürste von der Platte nimmt, sammelt sich am Abtaster. Eine Nadel mit einem Staubkranz an der Spitze überträgt ihn bei der nächsten Platte wieder, und sie tastet schlechter ab, solange er dort sitzt. Ein kleiner Nadelreiniger, von hinten nach vorn geführt und nie seitlich, gehört alle paar Platten dazu. Seitlicher Druck verbiegt den Nadelträger, und das ist teurer als jede Reinigung.
Nassreinigung von Hand: Rezept, Reihenfolge, Trocknung
Für die Nassreinigung braucht es drei Dinge, und zwei davon stehen nicht im Supermarkt: destilliertes Wasser, Isopropanol und eine weiche Bürste, die für Schallplatten gedacht ist.
Die Flüssigkeit. Destilliertes Wasser als Basis, dazu etwa zehn bis zwanzig Prozent Isopropanol und ein einziger Tropfen eines tensidhaltigen Mittels auf einen halben Liter. Das Wasser löst, der Alkohol senkt die Oberflächenspannung und verdunstet rückstandslos, das Tensid sorgt dafür, dass die Flüssigkeit überhaupt in die Rille läuft statt darauf zu stehen. Mehr Alkohol ist nicht besser: Über etwa dreißig Prozent greift er bei manchen Pressungen die Oberfläche an, und bei Schellackplatten ist er von vornherein verboten.
Die Reihenfolge. Etikett abdecken oder wenigstens trocken halten – Papier, das einmal nass war, wellt sich und bleibt gewellt. Flüssigkeit sparsam auftragen, mit der Bürste in Rillenrichtung arbeiten, nicht quer, zwei bis drei Umdrehungen lang. Danach die Flüssigkeit aufnehmen, bevor sie antrocknet: Was verdunstet, lässt alles zurück, was es gelöst hat, und dann sitzt der Schmutz wieder in der Rille, nur gleichmäßiger verteilt.
Das Trocknen. Ein fusselfreies Mikrofasertuch nimmt den Rest auf, danach steht die Platte senkrecht an der Luft, bis sie wirklich trocken ist. Eine feuchte Platte gehört nicht in die Hülle: Die Feuchtigkeit bleibt zwischen Platte und Papier stehen, und was danach in der Rille wächst, ist schwerer zu entfernen als der Staub, den man loswerden wollte.
Eine Platte, die so behandelt wurde, bleibt lange sauber, wenn sie in einer antistatischen Innenhülle liegt. Der ganze Aufwand lohnt genau einmal je Platte – danach genügt die Bürste.
Plattenwaschmaschinen: ab wann sie sich rechnen
Der Unterschied zwischen Handwäsche und Maschine liegt nicht im Waschen, sondern im Absaugen. Eine Absaugmaschine trägt die Flüssigkeit auf, bürstet und zieht sie mit einem Unterdruckarm wieder ab, samt allem, was sie gelöst hat. Genau dieser Schritt ist von Hand am schwersten sauber hinzubekommen.
Der Preisrahmen ist übersichtlich. Einfache Absaugmaschinen beginnen bei etwa vierhundert Euro, die verbreiteten Modelle liegen zwischen fünfhundert und achthundert. Ultraschallgeräte, die die Platte in ein Bad hängen und über Kavitation reinigen, fangen bei ungefähr tausendfünfhundert Euro an; sie reinigen tiefer, brauchen aber sauberes Wasser, Zeit und Platz.
Die Rechnung dazu ist einfacher als bei der Aufnahmetechnik, weil die Maschine nichts ersetzt, was sonst Geld kostet – sie ersetzt Zeit. Eine Handwäsche dauert mit Auftragen, Bürsten, Abnehmen und Trocknen rund zehn Minuten je Seite. Eine Maschine schafft dieselbe Seite in zwei. Bei fünfzig Platten sind das rund dreizehn gesparte Stunden, bei dreihundert Platten achtzig. Wer eine geerbte Sammlung vor sich hat, rechnet anders als jemand mit zwei Regalmetern.
Der Mittelweg, den viele übersehen, ist die geliehene Maschine. Einige Plattenläden und Sammlerstammtische stellen ein Gerät gegen eine kleine Gebühr zur Verfügung, und für die einmalige Grundreinigung einer geerbten Sammlung reicht ein Nachmittag damit. Danach hält die Bürste den Zustand.
Wer nur einmal eine größere Sammlung durcharbeiten will, findet Dienstleister, die die Reinigung als Einzelleistung anbieten – oft dieselben, die auch überspielen. Was das kostet, steht unter Schallplatten digitalisieren lassen.
Hausmittel, die in Foren empfohlen werden und der Rille schaden
Leitungswasser. Kalk. Er bleibt nach dem Verdunsten als feiner Belag in der Rille zurück, und er sitzt fester als der Staub, den er ersetzt hat.
Spülmittel. Es ist darauf ausgelegt, einen Film zu hinterlassen, der das Nachspülen erleichtert. Auf einer Platte bleibt genau dieser Film, zieht Staub an und wird beim nächsten Abspielen mit abgetastet.
Glasreiniger und Alkohol pur. Beide enthalten Zusätze oder sind zu aggressiv; bei älteren Pressungen und bei Schellack führt das zu matten Stellen, die dauerhaft bleiben.
Holzleim. Die Methode kursiert seit Jahren: Leim flächig auftragen, trocknen lassen, als Film abziehen, der den Schmutz mitnimmt. Sie funktioniert tatsächlich – und sie geht dann schief, wenn der Film reißt oder Reste in der Rille bleiben, weil die Platte Riefen oder ein angelöstes Etikett hat. Das Risiko trägt die Platte, und es ist nicht reversibel.
Das Mikrofasertuch allein. Trocken über die Platte gewischt lädt es sie statisch auf, statt sie zu entladen. Es ist das richtige Werkzeug zum Abnehmen von Flüssigkeit und das falsche zum Entstauben.
Was nach der Reinigung passiert, entscheidet, wie lange sie hält
Die häufigste Ursache für eine Platte, die nach vier Wochen wieder knistert, ist die Innenhülle. Reine Papierhüllen scheuern bei jedem Herausziehen feine Fasern ab, und diese Fasern landen in der Rille. Antistatische Innenhüllen aus Kunststoff oder mit Kunststofffutter kosten wenige Cent je Stück und lösen das Problem vollständig.
Die zweite Ursache ist Statik. Eine Platte, die trocken aus der Hülle gezogen wird, ist danach geladen und zieht Staub aus der Luft an, solange sie liegt. Deshalb gehört die Bürste vor jedes Abspielen und nicht nur vor die Aufnahme.
Gelagert wird senkrecht, nicht gestapelt. Stapel drücken sich über Jahre in die Rillen, und der Schaden sieht aus wie Verschleiß, ist aber Lagerung. Wärme über etwa fünfundzwanzig Grad verzieht das Vinyl; ein Regal an der Heizung oder im Dachgeschoss kostet mehr Platten als jede Nadel.
Wenn die Aufnahme fertig ist, verschiebt sich die Frage von der Platte auf die Datei. Wie eine Sicherung aussieht, die die Sammlung überlebt, steht unter Schallplatten archivieren; welche Software überhaupt in Frage kommt, in der Übersicht der Programme.
Häufige Fragen
Muss man eine Schallplatte vor dem Digitalisieren reinigen?
Ja, und es ist der Schritt mit dem größten Effekt für das wenigste Geld. Jedes Staubkorn in der Rille wird als Knacken mit aufgenommen, und jeder Versuch, es hinterher herauszurechnen, kostet Höhen. Eine gereinigte Platte spart mehr Nachbearbeitung, als jede Software ersetzen kann.
Womit reinigt man Schallplatten am besten?
Trocken mit einer Kohlefaserbürste vor jedem Abspielen, nass mit destilliertem Wasser und einem kleinen Anteil Isopropanol. Leitungswasser hinterlässt Kalk, Spülmittel hinterlässt einen Film, und beides sitzt danach genau dort, wo vorher der Staub saß.
Lohnt sich eine Plattenwaschmaschine?
Ab etwa hundert Platten, die wirklich schmutzig sind. Eine Absaugmaschine kostet ungefähr vierhundert bis sechshundert Euro und nimmt die Flüssigkeit samt gelöstem Schmutz wieder auf – das ist der Punkt, an dem sie der Handwäsche überlegen ist. Für zwanzig Platten steht sie den Rest des Jahres im Weg.
Kann eine Reinigung Kratzer entfernen?
Nein. Ein Kratzer ist fehlende Rillenwand, und was fehlt, kommt nicht zurück. Reinigen entfernt, was in der Rille liegt: Staub, Fett, Reste alter Reinigungsmittel und den Abrieb, den Papierhüllen hinterlassen. Was die Rille selbst beschädigt hat, bleibt hörbar.