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Dateiformate für digitalisierte Schallplatten: WAV, FLAC oder MP3
Die Formatfrage wird meistens zu früh gestellt und dann zu kompliziert beantwortet. Sie hat zwei Teile, die nichts miteinander zu tun haben: wie die Datei gespeichert wird und wie fein gemessen wurde. Der erste Teil ist eine Entscheidung, der zweite eine Einstellung, die vor der Aufnahme fällt.
WAV, FLAC und MP3 – was sie unterscheidet
WAV speichert die gemessenen Werte unverändert, einen nach dem anderen. Das ist das einfachste Verfahren überhaupt, jedes Programm liest es, und es ist der Grund, warum Aufnahmeprogramme es als Voreinstellung anbieten. Sein Nachteil steht im Dateisystem: Die Datei ist so groß wie die Messung, und die Felder für Interpret und Titel sind im Format nachträglich angebaut worden. Viele Programme schreiben sie, viele andere ignorieren sie.
FLAC speichert dieselben Werte, nur gepackt. Entscheidend ist das Wort verlustfrei: Beim Entpacken kommt Bit für Bit dasselbe heraus, was hineingegangen ist – nachweisbar, nicht bloß behauptet. Der Gewinn liegt bei rund vierzig Prozent, bei ruhigem Material auch mehr. Dazu kommen Metadatenfelder, die von Anfang an Teil des Formats sind und deshalb überall funktionieren.
MP3 geht einen anderen Weg: Es wirft weg, was nach einem psychoakustischen Modell ohnehin nicht gehört wird. Das spart sehr viel Platz und ist bei hoher Datenrate schwer herauszuhören. Der Haken ist, dass das Weggeworfene weg bleibt. Jede weitere Bearbeitung arbeitet auf dem reduzierten Material, und jede erneute Kodierung reduziert noch einmal.
Daraus folgt eine Reihenfolge, keine Entweder-oder-Entscheidung: aufnehmen in WAV, archivieren in FLAC, hören von MP3. Die Hörkopie wird aus dem Archiv erzeugt und ist jederzeit ersetzbar; das Archiv wird einmal gemacht.
Der Vollständigkeit halber gehört ein vierter Fall dazu, der keiner ist: das Aufnahmeformat des Programms selbst. Audacity legt Projekte in einem eigenen Container ab, andere Programme ebenso. Diese Dateien enthalten die Bearbeitungsschritte und sind an die Programmversion gebunden. Sie sind ein Zwischenstand, kein Archiv, und wer sie dafür hält, merkt es beim nächsten Rechnerwechsel.
Bittiefe: wozu 24 Bit gut sind, wenn die Platte elf hergibt
Die Bittiefe bestimmt, wie fein zwischen leise und laut unterschieden wird. 16 Bit ergeben rechnerisch rund sechsundneunzig Dezibel Abstand zwischen dem leisesten und dem lautesten darstellbaren Wert, 24 Bit rund einhundertvierundvierzig.
Eine Schallplatte erreicht davon nichts. Ihr Störabstand liegt je nach Pressung und Zustand zwischen sechzig und siebzig Dezibel, was etwa elf bis zwölf Bit entspricht. Nach dieser Rechnung wären 16 Bit reichlich und 24 Bit Verschwendung.
Der Grund, es trotzdem zu tun, hat nichts mit dem Klang zu tun, sondern mit dem Aussteuern. Wer bei 16 Bit vorsichtig aufnimmt und zehn Dezibel Reserve lässt, verschenkt fast zwei Bit und rückt damit spürbar näher an das Rauschen. Bei 24 Bit kostet dieselbe Vorsicht nichts. Man nimmt also leise auf, hebt später an und hört davon nichts – und genau das ist der Spielraum, den man bei einer Platte braucht, deren lauteste Stelle man vorher nicht kennt.
Im fertigen Archiv sind 24 Bit dann eine Frage des Geschmacks. Wer Platz sparen will, kann die fertige, ausgesteuerte Datei ohne hörbaren Verlust auf 16 Bit bringen. Wer sie behalten will, behält sie – der Aufpreis ist ein Drittel mehr Speicher, und Speicher ist das billigste Teil der ganzen Kette.
Abtastrate: warum 96 kHz weniger bringen, als die Zahl verspricht
Die Abtastrate bestimmt die höchste Frequenz, die überhaupt abgebildet werden kann – die Hälfte der Rate. 44,1 kHz reichen also bis 22 kHz, 96 kHz bis 48 kHz.
Oberhalb von etwa 20 kHz hat eine Schallplatte nichts mehr anzubieten, das nach Musik klingt. Was dort steht, ist Rillenrauschen und Abtastartefakt. Der hörbare Gewinn einer höheren Rate ist deshalb nicht der Frequenzbereich, sondern das, was der Filter am oberen Ende tut: Bei 44,1 kHz muss er steil sein, bei 96 kHz darf er sanft verlaufen, weit oberhalb des Hörbaren. Diesen Unterschied hört man, wenn überhaupt, an der Aufnahmekette – nicht an der fertigen Datei.
Praktisch heißt das: 96 kHz bei der Aufnahme kosten nichts außer Platz und geben der Nachbearbeitung Luft. 44,1 kHz im Archiv sind nicht falsch, und wer eine ganze Sammlung vor sich hat, nimmt sie mit gutem Gewissen. Was sich nicht lohnt, sind 192 kHz: Sie verdoppeln den Platzbedarf gegenüber 96 kHz und fügen einen Bereich hinzu, in dem eine Schallplatte nachweislich nichts mehr liefert.
Eine Regel, die öfter gebrochen wird, als sie sollte: Die Rate wird einmal gewählt und dann nicht mehr gewechselt. Jede Umrechnung zwischen 44,1 und 48 kHz ist eine Neuberechnung sämtlicher Werte, und sie ist unnötig, wenn man von vornherein bei einer Familie bleibt.
Der Vollständigkeit halber die Formate, die in Foren gelegentlich auftauchen und hier keine Rolle spielen: DSD stammt aus der SACD-Welt, wird von den wenigsten Wandlern aufgenommen und lässt sich kaum bearbeiten. ALAC ist FLAC in Apples Variante und technisch gleichwertig, aber außerhalb dieses Ökosystems schlechter unterstützt. AIFF ist WAV mit besseren Metadatenfeldern und derselben Größe. Keines davon löst ein Problem, das eine Schallplatte tatsächlich hat.
Was das in Gigabyte bedeutet
Der Platzbedarf lässt sich ausrechnen, und die Rechnung hat nur vier Faktoren: Abtastrate mal Bittiefe mal Kanäle mal Spielzeit. Eine LP-Seite von zwanzig Minuten in 16 Bit bei 44,1 kHz und Stereo belegt rund 210 Megabyte, eine ganze Platte also gut 420. In 24 Bit bei 96 kHz ist es etwa das Dreifache, als FLAC rund vierzig Prozent weniger als der jeweilige WAV-Wert, als MP3 mit 192 kbit/s rund 58 Megabyte je LP.
Für eine Sammlung von dreihundert Platten heißt das: rund 125 Gigabyte als WAV in 16 Bit, etwa 75 als FLAC, rund 380 in 24 Bit bei 96 kHz. Die gemessenen Werte je Format stehen als Grafik auf der Seite zu Schallplatten digitalisieren ohne PC, wo derselbe Platzbedarf über den USB-Stick entscheidet.
Diese Zahlen sind der Grund, warum die Formatfrage heute anders ausgeht als vor zwanzig Jahren. Eine Festplatte mit zwei Terabyte kostet weniger als zwei gute Tonabnehmernadeln und fasst jede Sammlung, die in ein Wohnzimmer passt, dreifach gesichert. Wer wegen des Platzes zu MP3 greift, spart am falschen Ende – und zwar an dem, das sich nicht rückgängig machen lässt.
Die Felder, die aus Dateien eine Sammlung machen
Ein Format entscheidet auch darüber, was neben dem Ton in der Datei steht. Bei FLAC sind das freie Textfelder, die jedes Abspielprogramm liest: Interpret, Album, Titel, Nummer, Jahr, Genre. Bei MP3 leistet das ID3 ebenfalls. Bei WAV ist es die Schwachstelle des Formats.
Welche Felder sich wirklich lohnen, zeigt sich erst bei einigen hundert Dateien. Drei sind unverzichtbar: Album, Titelnummer und Interpret – sie stellen die Reihenfolge wieder her, die auf der Platte physisch vorgegeben war. Zwei weitere sind es fast: das Jahr der Pressung, das bei Wiederveröffentlichungen ein anderes ist als das der Aufnahme, und ein freies Feld für die Matrizennummer aus der Auslaufrille, mit der sich eine Pressung eindeutig bestimmen lässt.
Ein Feld wird regelmäßig falsch benutzt: das Genre. Es ist ein freies Textfeld, und sobald zwei Programme unterschiedliche Schreibweisen hineinschreiben, zerfällt die Sortierung in Varianten desselben Begriffs. Wer es füllt, legt vorher eine kurze Liste fest und hält sich daran; wer das nicht tun will, lässt es leer, was der Sammlung weniger schadet als ein halb gepflegtes Feld.
Der Aufwand dafür liegt bei etwa einer Minute je Seite und ist der Unterschied zwischen einer
Sammlung und einem Ordner voller Dateien namens Spur 04. Wie sich eine solche
Sammlung dauerhaft ordnen lässt, steht unter
Schallplattensammlung verwalten.
Umwandeln: was in welche Richtung geht
Von verlustfrei nach verlustbehaftet geht immer und kostet nichts, was man behalten müsste: Aus FLAC entsteht in Sekunden eine MP3 für das Telefon, und wenn sie verloren geht, macht man sie neu. Von WAV nach FLAC und zurück geht ebenfalls beliebig oft, weil beide dieselben Werte enthalten.
Was nicht geht, ist die Gegenrichtung. Eine MP3, die in eine FLAC-Datei umgewandelt wird, ist danach größer und klingt gleich schlecht – das Verworfene kommt nicht zurück. Solche Dateien kursieren in Sammlungen und sind der Grund, warum gelegentlich jemand behauptet, er höre keinen Unterschied zwischen den Formaten: Er vergleicht zwei Kopien desselben reduzierten Materials.
Wer eine Sammlung geerbt hat, deren Dateien schon als MP3 vorliegen, steht deshalb vor einer unangenehmen Frage: Neu digitalisieren oder behalten, wie es ist. Wenn die Platten noch da sind, lohnt das Neuaufnehmen für alles, was man wirklich hört. Der Weg dahin steht in der Anleitung, die Programme dafür in der Übersicht der Software und der praktische Ablauf unter Schallplatten digitalisieren mit Audacity.
Häufige Fragen
Welches Dateiformat ist für digitalisierte Schallplatten das richtige?
FLAC für das Archiv, MP3 für unterwegs. FLAC ist verlustfrei wie WAV, rund vierzig Prozent kleiner und hat Felder für Interpret, Album und Titel. Aus einer FLAC-Datei lässt sich jederzeit eine MP3 erzeugen; aus einer MP3 wird nie wieder eine verlustfreie Datei.
Bringen 24 Bit bei einer Schallplatte überhaupt etwas?
Beim Aufnehmen ja, im fertigen Archiv kaum. Die Platte selbst gibt rechnerisch etwa elf Bit her. Die 24 Bit sind Arbeitsreserve: Sie erlauben es, vorsichtig auszusteuern und später anzuheben, ohne dass Rauschen hörbar wird.
Lohnen sich 96 kHz statt 44,1 kHz?
Für die Aufnahme leicht, für das Ergebnis wenig. 44,1 kHz bilden alles bis 22 kHz ab, und darüber hat eine Schallplatte praktisch nichts anzubieten. Wer 96 kHz nimmt, tut es für die Nachbearbeitung, nicht für den Klang der fertigen Datei.
Reicht MP3 mit 320 kbit/s als Archiv?
Als Hörkopie ja, als Archiv nein. Bei 320 kbit/s hört kaum jemand einen Unterschied, aber die verworfenen Daten sind weg, und jede spätere Bearbeitung – entknacksen, normalisieren, neu kodieren – arbeitet auf dem bereits reduzierten Material weiter.