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TRK 01 Übersicht

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Schallplatten digitalisieren mit Audacity: eine Anleitung

Schallplatten digitalisieren mit Audacity ist der Weg, den die meisten gehen, weil das Programm nichts kostet und es für Windows, macOS und Linux gibt. Die Aufnahme selbst ist in zehn Minuten eingerichtet. Interessant wird es danach – bei der Frage, was man das Programm reparieren lässt und was man besser stehen lässt.

Schematische Zeichnung der Aufnahmekette von der Rille über Tonabnehmer und Vorstufe bis zum Wandler.
Audacity sitzt am Ende dieser Kette. Was vor dem Wandler verloren geht, holt es nicht zurück.
TRK 02 Einstellen

Was vor der ersten Aufnahme eingestellt gehört

Audacity startet mit Voreinstellungen, die für Sprachaufnahmen gedacht sind. Drei davon gehören geändert, bevor die erste Platte läuft, und alle drei sind nachträglich nicht mehr zu retten.

Das Aufnahmegerät. In den Audioeinstellungen steht als Quelle oft das eingebaute Mikrofon. Richtig ist der Eingang, an dem die Vorstufe oder das USB-Interface hängt. Wer hier danebengreift, nimmt den Raum auf, in dem der Rechner steht – hörbar sofort, und ein Fehler, den man erstaunlich weit treibt, bevor er auffällt.

Die Auflösung. 24 Bit, Abtastrate 96 kHz. Der Gewinn liegt bei den Bits, nicht bei der Rate: 24 Bit geben beim Aussteuern rund achtzig Dezibel Spielraum nach unten, und genau diesen Spielraum braucht man, wenn eine laute Stelle mitten in der Seite kommt. Die Platte selbst gibt rechnerisch etwa elf Bit her; der Rest ist Arbeitsreserve, keine Klangverbesserung.

Zwei Kanäle. Steht die Aufnahme auf Mono, ist die Stereobreite weg und kommt nicht wieder. Das passiert häufiger, als es sollte, weil viele USB-Eingänge sich als Monoquelle melden.

Der Rest der Voreinstellungen kann bleiben. Intern rechnet Audacity in 32 Bit Gleitkomma, was bedeutet, dass ein Effekt, der über null Dezibel hinausschießt, die Datei nicht sofort zerstört – erst der Export in ein Ganzzahlformat schneidet ab.

Eine vierte Einstellung ist keine Einstellung, sondern eine Angewohnheit: den Projektordner vor der ersten Aufnahme festlegen, und zwar auf eine Platte mit Platz. Eine Plattenseite in 24 Bit bei 96 kHz belegt rund siebenhundert Megabyte, und Audacity legt während der Arbeit zusätzlich Daten für das Rückgängigmachen an. Wer auf einer vollen Systemplatte aufnimmt, merkt das mitten in der zweiten Seite.

TRK 03 Aufnehmen

Aussteuern: die einzige Zahl, auf die es bei der Aufnahme ankommt

Eine Schallplatte hat keinen festen Pegel. Zwei Pressungen desselben Albums können sich um sechs Dezibel unterscheiden, und eine Maxi-Single liegt regelmäßig deutlich über einer LP. Deshalb wird vor jeder Seite neu ausgesteuert, nicht einmal für die Sammlung.

Das Verfahren ist kurz: die lauteste Stelle der Seite suchen – meist der erste oder der letzte Titel –, die Aufnahmepause drücken, die Stelle abspielen und den Eingangsregler so stellen, dass die Anzeige bei etwa minus sechs Dezibel steht. Nicht bei null. Die sechs Dezibel sind keine Vorsicht, sondern Platz für die Stelle, die lauter ist als erwartet.

Übersteuert wird nicht ein bisschen, sondern gar nicht. Eine digitale Übersteuerung ist kein weiches Anrunden wie bei einem Tonband, sondern ein abgeschnittener Wellenkopf, der als Verzerrung stehen bleibt. Audacity zeigt das mit einer roten Markierung in der Pegelanzeige, und es gibt keine Funktion, die das rückgängig macht.

Wer zu leise aufnimmt, verliert dagegen fast nichts. Bei 24 Bit lässt sich eine um zehn Dezibel zu leise Aufnahme nachträglich anheben, ohne dass Rauschen hörbar wird. Die Faustregel lautet deshalb: im Zweifel leiser.

Aufgenommen wird die ganze Seite in einem Stück. Das Trennen kommt später und ist am fertigen Material schneller als zwischendurch. Die Aufnahme läuft dabei in Echtzeit: Eine LP-Seite dauert zwanzig Minuten, und daran ändert kein Programm etwas. Beschleunigen lässt sich nur alles danach.

TRK 04 RIAA

Die RIAA-Entzerrung macht Audacity nicht – und das ist auch richtig so

Der häufigste Fehler beim Schallplatten digitalisieren mit Audacity ist kein Bedienfehler, sondern ein Verkabelungsfehler: Der Tonabnehmer geht direkt in den Line-Eingang, ohne Phono-Vorstufe dazwischen. Das Ergebnis klingt dünn, schrill und leise, und der Reflex ist, im Programm nach dem Regler zu suchen, der das repariert.

Es gibt ihn nicht, jedenfalls nicht als Funktion mit diesem Namen. Beim Schneiden einer Platte werden die Bässe abgesenkt und die Höhen angehoben – sonst würde die Rille für die Bässe zu breit und das Rauschen in den Höhen zu deutlich. Diese Kurve heißt RIAA, und sie zurückzudrehen ist die eigentliche Aufgabe der Phono-Vorstufe. Nebenbei hebt sie das Signal von rund fünf Millivolt auf Line-Pegel an, also etwa um den Faktor sechzig.

Wer die Vorstufe nicht hat, kann die Kurve in Audacity mit dem Filterkurven-Equalizer nachbilden; es gibt fertige Kurven dafür. Klanglich ist das der schlechtere Weg, und zwar aus einem Grund, der nichts mit der Kurve zu tun hat: Das Signal vom Tonabnehmer ist so schwach, dass der Eingang bis zum Anschlag aufgedreht werden muss, und alles, was dabei an Rauschen und Einstreuung mitkommt, wird mitverstärkt. Eine Vorstufe für dreißig Euro löst das Problem besser als jede Nachbearbeitung.

Umgekehrt gilt genauso: Wer einen Plattenspieler mit eingebauter Vorstufe hat und zusätzlich die Kurve im Programm anwendet, entzerrt zweimal. Das klingt dumpf und bassbetont und ist der zweithäufigste Fehler.

TRK 05 Trennen

Von der Plattenseite zu einzelnen Titeln

Nach der Aufnahme liegt eine Datei von zwanzig Minuten vor. Audacity trennt sie über Textmarken: Unter "Analyse" gibt es eine Funktion, die Stille sucht und an jeder gefundenen Pause eine Marke setzt. Die Schwelle dafür ist einstellbar, und sie muss es auch sein – eine Platte mit viel Rauschen hat keine echte Stille, sondern nur leisere Stellen.

Danach wird jede Marke einmal kontrolliert. Das dauert bei einer normalen LP zwei Minuten und erspart die Überraschung, dass ein leiser Übergang mitten im Stück als Titelgrenze gelesen wurde. Die Marken lassen sich verschieben und benennen; der Name wird später zum Dateinamen.

Bei durchgehend gespielten Seiten, Live-Mitschnitten und Klassik mit leisen Sätzen lohnt der Versuch mit der Automatik nicht. Dort setzt man die vier bis sechs Marken von Hand schneller, als man die zwanzig falschen der Automatik löscht.

Der Export heißt dann "Mehrere Dateien exportieren" und schneidet an den Marken. Wer stattdessen die ganze Seite als eine Datei behalten will, überspringt diesen Schritt ganz – für ein Archiv ist das sogar die robustere Variante, weil sich die Trennung jederzeit nachholen lässt, die Seite aber nicht wieder zusammenwächst.

TRK 06 Reparieren

Entknacksen und Entrauschen: was hilft, und wo es anfängt zu schaden

Audacity bringt beides mit, und beide Funktionen werden regelmäßig zu stark eingesetzt. Der Grund ist, dass ihr Schaden erst auffällt, wenn man das Original nicht mehr hat.

Die Knackentfernung sucht nach Ausschlägen, die steiler sind als Musik sein kann, und ersetzt sie durch eine Interpolation aus der Umgebung. Bei einzelnen, deutlichen Knacksern funktioniert das gut. Dreht man die Empfindlichkeit hoch, um auch das feine Grundknistern zu erwischen, trifft die Funktion zunehmend echte Transienten: Beckenanschläge, Anzupfgeräusche, Konsonanten. Das Ergebnis ist eine Aufnahme, die auf einer Messung sauberer aussieht und beim Hören stumpf wirkt.

Die Rauschminderung arbeitet mit einem Profil: Man markiert eine Stelle, an der nur das Störgeräusch zu hören ist – bei einer Platte die Einlaufrille –, nimmt das Profil ab und wendet es auf die ganze Seite an. Das ist der richtige Weg. Falsch wird es bei der Stärke: Über etwa zwölf Dezibel Reduktion entstehen die typischen metallischen Artefakte, ein Klingeln in den Ausklängen, das auf der Platte nicht war.

Die praktische Empfehlung ist deshalb unspektakulär: Die Rohaufnahme wird zuerst unverändert gesichert. Jede Reparatur passiert an einer Kopie. Was nicht mehr auffällt, wenn man die Musik hört statt die Wellenform anzusehen, ist gut genug – und eine Platte, die knistert, ist immer noch näher am Original als eine, aus der das Knistern samt der Höhen herausgerechnet wurde. Wie weit man vorher mit einer Reinigung kommt, steht unter Schallplatten digitalisieren.

TRK 07 Export

Exportieren, benennen und wegsichern

Audacity speichert Projekte in einem eigenen Format. Das ist kein Archivformat: Es enthält die Bearbeitungsschritte und ist an die Programmversion gebunden. Ins Archiv gehört ein exportiertes Audioformat.

Für die Sicherung ist FLAC die richtige Wahl – verlustfrei wie WAV, rund vierzig Prozent kleiner und mit Feldern für Interpret, Album und Titel. WAV kann dieselben Daten, aber seine Metadatenfelder werden von vielen Programmen ignoriert. MP3 exportiert Audacity über die eingebaute Kodierung; das ist die Hörkopie fürs Telefon, nicht das Archiv. Aus FLAC lässt sich jederzeit eine MP3 erzeugen, umgekehrt nicht.

Die Metadaten werden beim Export abgefragt. Sie auszufüllen dauert pro Seite eine Minute und ist der Unterschied zwischen einer Sammlung und einem Ordner voller Dateien mit Namen wie Spur 04. Welche Felder sich lohnen und wie eine Sicherung aussieht, die hält, steht unter Schallplatten archivieren.

Wer den ganzen Weg nicht selbst gehen will, findet die Kostenrechnung dafür unter Schallplatten digitalisieren lassen, und wer ohne Rechner arbeiten möchte, unter Schallplatten digitalisieren ohne PC. Ein Vergleich der Programme untereinander steht in der Übersicht der Software.

TRK 08 Häufige Fragen

Häufige Fragen

Reicht Audacity, um Schallplatten zu digitalisieren?

Für die Aufnahme, die Titeltrennung und den Export reicht es vollständig, und es kostet nichts. Was es nicht ersetzt, ist die Phono-Vorstufe: eine Platte, die ohne Entzerrung in den Rechner geht, klingt dünn und schrill, und das ist kein Fehler des Programms.

Mit welcher Auflösung sollte man in Audacity aufnehmen?

24 Bit bei 96 kHz als Archivwert, eingestellt in den Audioeinstellungen vor der ersten Aufnahme. Die 24 Bit sind der eigentliche Gewinn, weil sie beim Aussteuern Spielraum lassen; die Abtastrate ist zweitrangig. Intern rechnet Audacity ohnehin in 32 Bit Gleitkomma.

Warum klingt die Aufnahme dünn und schrill?

Weil das Signal ohne RIAA-Entzerrung im Rechner gelandet ist. Beim Schneiden einer Platte werden die Bässe abgesenkt und die Höhen angehoben, damit die Rille schmal bleibt; die Phono-Vorstufe dreht das zurück. Fehlt sie, fehlt der Bass und die Höhen stehen frei.

Wie trennt man in Audacity die einzelnen Titel?

Über "Analyse" und die Funktion, die Stille erkennt: sie setzt an jeder Pause eine Marke, die Marken lassen sich verschieben, und der Export mehrerer Dateien schneidet danach. Bei durchgehenden Seiten und Live-Aufnahmen setzt man die Marken schneller von Hand, als man die Automatik korrigiert.